Herbolzheim startet bundesweit beachtetes Projekt zur frühen mathematischen Bildung
Mit einem fröhlichen und zugleich außergewöhnlichen Auftakt hat die Stadt Herbolzheim gemeinsam mit allen sieben Kindertageseinrichtungen ein neues, innovatives Projekt zur frühen mathematischen Bildung begonnen. Unter freiem Himmel stellten Kinder gemeinsam mit den Kita-Leitungen Elke Jäger und Nicolai Edte, Bürgermeister Thomas Gedemer sowie der pädagogischen Fachberaterin der Stadt Annette Roth die acht Module der neuen Fortbildungsreihe vor.
Die Stadt Herbolzheim entwickelt in den kommenden Monaten ein eigenes kommunales Modell, das bundesweit Aufmerksamkeit erzeugen dürfte: Frühe mathematische Bildung soll nicht durch Programme eingeführt werden, sondern aus dem Alltag der Kinder herauswachsen. Begleitet und konzeptionell verantwortet wird das Projekt von Privatdozent Dr. Gerhard Friedrich, der die Fortbildungsreihe ehrenamtlich wissenschaftlich entwickelt und fachlich rahmt.
„Unsere Einrichtungen leisten hier Außergewöhnliches“, betont Bürgermeister Thomas Gedemer. „Ich bin stolz auf das Engagement und die Professionalität unserer pädagogischen Teams. Herbolzheim zeigt, was möglich wird, wenn Stadt, pädagogische Fachberatung, Wissenschaft und pädagogische Praxis wirklich zusammenarbeiten. Wir gehen hier einen mutigen und zugleich sehr bodenständigen Weg.“
Ein Ansatz, der im Alltag der Kinder beginnt
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Überzeugung, dass mathematisches Denken im gemeinsamen Handeln der Kinder entsteht: beim Bauen, Sortieren, Legen, Vergleichen oder im kreativen Spiel. Dabei zeigt sich ein oft unterschätzter Zusammenhang: Wer Kinder mathematisch fördert, fördert immer auch ihre Sprache. Kinder erklären, begründen, vergleichen und verhandeln – ganz selbstverständlich, mitten im Alltag. So entwickeln sie tragfähige Zahlvorstellungen und ein sicheres Verständnis von Strukturen und Mustern, die Kinder verlässlich und passgenau auf die Anforderungen der Schule vorbereiten – getragen von einer pädagogischen Arbeit, die bewusst gestaltet, beobachtet und weiterentwickelt wird.
Gerhard Friedrich erläutert:
„Herbolzheim zeigt, wie frühkindliche Bildung gelingen kann: dialogisch, praxisnah und gemeinsam. Wissen wird hier nicht weitergereicht, sondern entsteht im Austausch zwischen Fachkräften, Kindern und wissenschaftlicher Perspektive. Zu meiner Aufgabe gehört es, die Landschaft bundesweiter Programme aufmerksam in den Blick zu nehmen – auch die Konzepte aus Baden-Württemberg wie Alles zählt. Viele dieser Ansätze sind im Feld kaum bekannt. Entscheidend ist, dass kein zentraler Inhaltsbereich verloren geht und Bewährtes konsequent mit neuen Praxiserfahrungen verbunden wird. Aus diesem Zusammenspiel entsteht die besondere Qualität des Herbolzheim-Prozesses.“
Annette Roth, pädagogische Fachberaterin der Stadt Herbolzheim, ergänzt:
„Für mich als pädagogische Fachberaterin ist entscheidend, dass fachliche Impulse nicht abstrakt bleiben, sondern im Alltag der Einrichtungen wirklich ankommen. In Herbolzheim erleben wir, wie aus gemeinsamen Beobachtungen konkrete pädagogische Entscheidungen werden – getragen von Verantwortung, Professionalität und dem Anspruch, Kinder gut auf ihren weiteren Bildungsweg vorzubereiten.“
Wie es weitergeht
Im kommenden halben Jahr erarbeiten die Teams alle zentralen Bereiche früher mathematischer Bildung und deren Integration in die alltagsbegleitende pädagogische Arbeit. Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Treffen ausgetauscht und gemeinsam weitergedacht. Bis Sommer 2026 entsteht so ein kommunales Modell, das zeigen soll, wie frühe mathematische Bildung im Alltag lebendig wird – offen, kreativ und gemeinsam mit den Kindern.
Die Entwicklung des Projekts wird fortlaufend dokumentiert und veröffentlicht. Alle zentralen Beiträge und Einblicke sind auf der Fachplattform erzieherin.de nachzulesen, der größten deutschsprachigen Online-Plattform für pädagogische Fachkräfte im Kita-Bereich.
icon.crdateArtikel vom: 21.01.2026
